An der nordwestlichen Küste Adens erstreckt sich ein düsteres Land, an dessen steile Klippen das tosende Meer peitscht. Dieses Land ist das Reich der Dunkelelfen, das sie seit ihrer Verbannung zu ihrer Heimat gemacht haben. Die Stadt dieser finsteren Wesen liegt in den tiefen Höhlen eines Berges und ist ebenso beeindruckend, wie furchteinflößend, denn die dort herrschende Atmosphäre steht dem Charakter ihrer Bewohner in nichts nach. Doch auch das übrige Land der Dunklen erweckt bei vielen Reisenden einen eher abschreckenden Eindruck, sodass nur wenige es wagen, diesen Teil Adens zu betreten. Die Gerüchte, die sich um die okkulten Stätten ranken, die dort zu finden sind, sind ebenso bekannt wie die Leichtigkeit, mit der man sich in den nebligen Sümpfen dieses Landes verirren kann.
Ein wohl sehr zwiespältiges Thema im Volk der Dunkelelfen sind die Gottheiten, denen sie folgen. Seitdem die Rassen geschaffen wurden, hat sich vieles gewandelt, nicht nur was das irdische Geschehen betrifft, auch zwischen den Göttern selbst. So kam es, dass der Bruch zwischen Shilen und Gran Kain auch das Volk der Dunkelelfen entzweit hat, wobei die Anhänger Shilens den größten Teil dieses Volkes ausmachen. Insgesamt gibt es jedoch drei Gruppen, in die dieses Volk geteilt ist, da eine über das Land verstreute Minderheit es vorzieht, keinem der
Götter die Treue zu schwören. Das einzige, was diese Gruppen miteinander verbindet ist die tiefe Feindschaft, die sie füreinander hegen.

Durch die vielen Dekaden, die das Volk der Dunklen nun schon unter der Oberfläche lebt, hat sich auch ihr Äußeres von dem der Lichtelfen abgesetzt. Sie haben eine schmale Statur, sind aber recht groß gewachsen und besitzen spitz zulaufende Ohren. Ihre Haut hat eine gräulich-blaue Färbung angenommen und ihr Haar ist weiß, manchmal auch von silbernen Strähnen durchsetzt, oder gar schwarz.

 

Männliche Dunkelelfen besitzen einen durchtrainierten und muskulösen Körper. Sie scheuen in keinem Falle davor zurück, diesen auch zu präsentieren.

 

Weibliche Dunkle besitzen ebenfalls einen muskulösen Körperbau, sind dabei allerdings von anmutiger Statur und haben ein fein gezeichnetes Gesicht. Ihre offensichtliche Attraktivität bringt ihnen nicht nur den Ruf ein, in vielen Augen die schönsten Wesen Adens zu sein, sondern eröffnet ihnen einen Vorteil, den sie nur zu gern ausnutzen. So manch einer ist dem Spiel einer Dunklen zum Opfer gefallen, die nur zu gut mit ihren Reizen umzugehen wusste.

 

Der Charakter eines Dunkelelfen kann viele Facetten haben. Klar ist jedoch, dass

dieses Volk vor keinem Mittel zurück schreckt, um eigene Vorteile zu erhaschen, oder sein Ziel zu erreichen. Die Hinterhältigkeit und Intriganz der Dunklen wird durch ihre Bereitwilligkeit, einen Mord zu begehen, nur ergänzt und steht oftmals am Ende ihrer verräterischen Handlungen. Dabei macht ein Dunkelelf auch keinen Unterschied zwischen Angehörigen einer anderen oder der eigenen Rasse. Um den Weg des geringsten Widerstandes gehen zu können, wird der Tod eines anderen Dunkelelfen ohne Skrupel in Kauf genommen. Ebenso skrupellos und kalt gehen sie im Kampf vor, wobei sie keineswegs den offensiven Weg als den ersten wählen. Hinterlist und Tücke sind willkommene Mittel, vor allem in den Reihen der Anhänger Shilens, um ein Ziel zu erreichen und die Gefahr, selbst verletzt zu werden, gering zu halten. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass ein Dunkelelf niemals die Waffe in einem offenen Kampf zieht. Allen voran jene, die den Weg Gran Kains gewählt haben, schrecken nicht davor zurück ihre große Gewandtheit im Umgang mit schwarzer Magie und Waffen zur Schau zu stellen. Dabei ziehen sie ihre Vorteile aus ihrem Geschick und ihrer Gerissenheit, sowie aus der Tatsache, dass sie sich rein gar nichts aus gewissen Moralvorstellungen machen. Wer aber den Eindruck hat, ein Dunkelelf kenne keine Ehre, der irrt. Nicht nur ihre Fähigkeiten mit der schwarzen Magie machen sie zu unglaublich stolze und arrogante Wesen, denen in erster Linie ihr Hochmut verbietet, es einfach hinzunehmen, dass jemand ihr Können, oder gar ihren Rang anzweifelt. Trotz dieser Tatsachen präsentieren Dunkelelfen ihre Abneigungen gegenüber den anderen Rassen keineswegs zu jeder Zeit völlig offen. Lässt sich ein Nutzen daraus ziehen, lügt und heuchelt ein Dunkler ohne mit der Wimper zu zucken. Auf Grund dessen bilden sich freundschaftliche Beziehungen mit Dunkelelfen nur äußerst selten, da diese zu jeder Zeit von diesen finsteren Wesen ins genaue Gegenteil gekehrt werden können. Oftmals sind es nur oberflächliche Kontakte, die die Dunkelelfen schließen, um auch aus ihnen gewisse persönliche Vorteile ziehen zu können.
Da der größte Teil der Dunkelelfen zu den Anhängern Shilens zählt, ist es der Glaube an diese Göttin der Unterwelt, der als einziger in der Stadt der Dunklen vertreten, oder geduldet wird. Unter Shilen hat sich ein strenges Matriarchat gefestigt, dass in den Qu’ellar genannten Häusern, in denen die Dunklen organisiert sind, um jeden Preis eingehalten wird. Das Oberhaupt eines jeden Hauses ist ausnahmslos die Illharess, eine Hohepriesterin, der alle anderen Mitglieder des Hauses in verschieden abgestuften Rängen unterstellt sind. Nicht selten ist es so, dass Vorschläge zwar an die Ilharres heran getragen werden können, sie allein aber entscheidet, ob sie den Rat eines ihrer Mitglieder annimmt. Die Stellung der Männer ist in dieser Gesellschaft nicht selten der eines Dieners ähnlich. Innerhalb der Häuser haben sie zu Beginn beinahe ausschließlich die niederen Ränge inne, wobei es den fähigen Kriegern und Magiern unter ihnen durchaus möglich ist, in die oberen Schichten des Hauses aufzusteigen. Dabei kann ein Mann sogar ein gewisses Maß an Stimmrecht und Befehlsgewalt dazu gewinnen, dass ihm jedoch durch jähe Fehltritte oder Unverschämtheiten gegenüber den weiblichen Mitgliedern umgehend wieder aberkannt werden kann. Diese für die Anhänger Shilens typische Rangordnung äußert sich aber nicht nur allein in den Häusern, sondern strukturiert auch den Aufbau der Stadt. Das mächtigste und somit ranghöchste Haus hat die Leitung des Tempels der Shilen inne, da aber der Stolz der Dunklen und der Sinn nach eigenen Vorteilen für sie kaum Grenzen kennt, kommt es nicht selten dazu, dass rivalisierende Häuser aneinander geraten. Um Siege in solchen Situationen erzielen zu können, scheut man nicht davor zurück, ein gleichgesinntes Haus als Verbündeten zu akzeptieren, das man aber zum passenden Zeitpunkt für die eigene Sache hintergeht. Einzig in Bezug auf ihre Gottheit kennen die Dunkelefen keinen Verrat und sind dann durchaus in der Lage, geschlossen gegen den Feind der Shilengläubigen anzugehen.
Der Dorn im Auge der Shilengläubigen sind die Anhänger Gran Kains, des Gottes der Zerstörung, die den deutlich kleineren Teil der Dunkelelfen ausmachen. Sie sind über das ganze Land verteilt, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie ebenso wenig für die Mehrheit der Dunkelelfen und ihre Göttin übrig haben, wie anders herum. Unter den Anhängern Kains herrscht Gleichberechtigung und obwohl auch sie oftmals in Häusern organisiert sind, bestehen hier gravierende Unterschiede. Das Oberhaupt des Hauses ist immer der fähigste Krieger oder Magier der Familie, aus der das Haus aufgebaut ist. An dessen Seite steht in den gängisten Fällen ein Priester oder eine Priesterin Gran Kains, die beratende Funktionen inne hat. Zugang zu diesen Häusern haben außer den Familienmitgliedern nur selten außenstehende Dunkle, die sich eines besonderen Vertrauens erweisen müssen, um dieses Privileg zu erlangen. Auch hier herrscht eine gewisse Rangfolge innerhalb der Häuser, bei der jedoch jedes Mitglied der Familie das gleiche Stimmrecht besitzt. Entscheidungen werden zwar oftmals nur in Anwesenheit aller Mitglieder getroffen, das uneingeschränkte Herrschaftsrecht hat jedoch einzig das Oberhaupt des Hauses. Auf Grund ihrer kleinen Zahl und der Tatsache, dass für die Anhänger Kains die Familie an erster Stelle steht, sind Rivalitäten zwischen einzelnen Häusern für sie kaum von Belang. Für die, die dem Glauben Gran Kains folgen, liegt ebenfalls der Weg des geringsten Widerstandes am nächsten, doch zeigen sie oft ihre Kälte und Gewissenlosigkeit dadurch, dass sie auf unnötige Spielchen verzichten. Der direkte Weg ist für sie meist der liebste, sodass sie oftmals dazu tendieren, ihre Waffe mit einem wohl überlegten Hinterhalt im Kampf zu kombinieren. Richtet man den Fokus allein auf das Volk der Dunkelelfen bemerkt man schnell, dass sich die Anhänger der beiden Götter mit Hass und Misstrauen begegnen, was die Einheit dieses Volkes beinahe gänzlich unmöglich macht.
Da Dunkelelfen in erster Linie auf eigene Vorteile fixiert sind, worauf dann die Anliegen des Hauses oder der Familie folgen, stehen Beziehungen zu anderen Dunkelelfen öfters unter keinem guten Stern. Freundschaften sind zwar nicht vollkommen ausgeschlossen, werden aber durch das große Misstrauen der Dunklen, noch zusätzlich zu der religiösen Trennung und das große Maß an egoistischen Interessen erschwert. Bereits erwähnt wurde auch, dass dieses Volk nicht davor Halt macht, andere Dunkle gewaltsam, ob durch Intrige oder, wenn nötig, durch die eigene Hand, für das persönliche Vorankommen aus dem Weg zu räumen. Doch auch wahrer Zusammenhalt ist den Dunkelelfen nicht fremd, so bilden sie eine unzertrennliche Einheit wenn es darum geht, einen gemeinsamen Feind Kains, oder Shilens zu bekämpfen. Dieser Zusammenhalt ist meist jedoch nur für die Zeit wirksam, in der das gemeinsame Ziel verfolgt wird. So scheint es nicht erstaunlich, dass Dunkelelfen im Allgemeinen kaum Kontakte zu den anderen, in ihren Augen minderwertigen, Rassen pflegen.
Kein Volk reicht an das handwerkliche Geschick der Zwerge heran. Dieser Umstand ist den Dunkelelfen durchaus bewusst und so liegt ihnen nichts ferner, als bei den Schmieden ihrer Waffen und Rüstungen in Ungnade zu fallen. Zudem sind sie durchaus nützlich, wenn es um die Beschaffung von Informationen geht, da nicht nur das Volk der Dunklen die Künste der Zwerge schätzt. Das zwergische Streben nach Gold kommt den Dunklen in dieser Hinsicht sehr zu Gute, auch wenn sie es ebenso belustigend ansehen, wie den Hang zum Alkohol, dieser für sie berechenbaren Wesen. So lange der Dunkelelf zahlt und der Zwerg liefert, könnte das Verhältnis der Beiden schon beinahe freundschaftlich, wenn auch auf geschäftlicher Ebene, wirken.
Vor langer Zeit waren sie ein Volk, doch nachdem der Krieg der Rassen sie entzweit hat und die Dunklen von ihnen verbannt wurden, gibt es kein Wesen, dass ein Dunkelelf mehr verachtet, als einen Lichtelfen. Selbst purer Eigennutz kann einen Dunklen nur in den seltensten Fällen dazu verleiten. Neutralität gegenüber diesem Volk vorzuheucheln.
Die Menschen sind ein nur schwer zu durchschauendes Volk. Sie sind zweifellos die am weitesten verbreitete Rasse auf dem ganzen Kontinent. Doch so groß auch ihr Volk ist, so vielfältig ist auch ihr Auftreten. Meist aber erscheinen sie den Dunkelelfen als naiver und minderwertiger Abschaum aller Rassen, der es nur durch eine Fügung des Glücks zu seinem jetzigen Einfluss gebracht hat. Ständig damit beschäftigt, ihre unbeständigen Königreiche zu verteidigen, belächeln die Dunklen dieses Volk, dessen sehr kurze Lebensspanne es wohl mit sich bringen muss, dass sie sich so schnell vermehren. Einzig jene Menschen, die einen ebenso bösartigen Charakter haben, wie die Dunklen selbst, haben eine geringe Chance, von ihnen gewissermaßen akzeptiert zu werden. Doch einerseits bleibt der Umstand bestehen, dass sie vor langer Zeit als Verbündete ihrer Erzfeinde kämpften und andererseits ist diese von Gran Kain geschaffene Rasse ein allgegenwärtiger Dorn im Auge der Anhänger Shilens.
Orks sind nichts weiter als große, stinkende und dumme Untiere. Doch trotzdem würde nie ein Dunkelelf den Fehler machen und einen Ork unterschätzen, denn, obwohl sie bis zu einem gewissen Punkt durchaus berechenbar und beeinflussbar sind, sind sie wegen ihrer Stärke zugleich auch gefährlich. Ihre fehlende Intelligenz kann man sich aber unter beständigem Misstrauen und dauernder Vorsicht hervorragend zu Nutze machen, denn als Söldner eignet sich kein Wesen so gut, wie ein Ork. Dazu ist die den Orks eigene Abneigung gegenüber den Lichtelfen ein Punkt, der durchaus Sympathie bei den Dunklen erweckt, sodass zwischen ihnen ein eher neutrales Verhältnis herrscht.
Wenn es eine Rasse gibt, mit der eine annähernd freundschaftliche Beziehung möglich wäre, scheinen es die Kamael zu sein. Sie wirken ebenso skrupellos und bösartig wie die Dunklen selbst und auch sie schrecken nicht vor einer List zurück, um das eigene Ziel zu erreichen. Doch die absolut kriegerische Ader dieser Wesen, ist in den Augen vieler Dunkelelfen zu trivial, gibt es doch so viele weniger riskante Mittel, die zum Sieg führen. Da beide Völker allem voran nach den persönlichen Vorteilen streben, würde eine freundschaftliche Beziehung früher oder später wohl daran scheitern, dass der Dunkelelf den Kamael für seine Zwecke verrät und dieser gleichermaßen ein Hindernis in dem Dunklen sieht.
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